Christian Lukas - Bücherwelten

Bibliografie Film/Fernsehen

Bibliografie Heftromane

Bibliografie (Div.)

Neuigkeiten

Referenzen

Pressearchiv

Journal

Links & Rechts

English Language

Русский язык

Украинский язык

Impressum

Antenne Witten

BOLLYWOOD (Space View - Special) 
 
ISBN-10:  3898805719
Heel Verlag, Königswinter (2006)
EUR 9,95

 

BOLLYWOOD BOOMT

2005, 2006, das waren die deutschen Bollywood-Jahre. Man kam an den Filmen aus Indien nicht mehr vorbei. Aber was ist Bollywood eigentlich? Ein Genre? Ein Lebensgefühl? Mit dem vorliegenden Space View Sonderheft widmete ich mich 2006 einem Stück Kinogeschichte, versuchte zu erklären, wie der Begriff Bollywood entstand. Darüber hinaus stellte ich die wichtigsten aktuellen Stars des Bollywood-Kinos vor.

BOLLYWOOD KOMMT!

„Schon einmal indisches Kino gesehen?“ Die Werbekampagne von RTL 2 im Herbst 2004 machte neugierig. Wochenlang warb der Münchner Privatsender immer und immer wieder in seinem Programm mit verschiedenen Trailern für einen Spielfilm, der den Titel „In guten wie in schweren Tagen“ tragen sollte. Die Handlung verriet die Trailer nicht, statt dessen bekamen die Zuschauer einen bunten Bilderrausch präsentiert. Tanz, Gesang, große Gefühle versprachen die Bilder.

Kino aus Indien. Indien? Dort werden Spielfilme produziert?

Klar, das indische Kino besaß auch in Deutschland bereits vor November 2004 eine kleine, aber feine Fangemeinde, hier und da wurden indische Filme auf Festivals gezeigt. Aber die Fangemeinde bildete eine in sich geschlossene Gemeinschaft, ohne einen nennenswerten Einfluss zum Beispiel auf die Programmgestaltung von TV-Sendern wie RTL 2. Na gut, der

Begriff Bollywood, mit dem das indische Kino oft gleichgesetzt wird, er war auch in Deutschland nicht unbekannt, doch was sich hinter dem Begriff verbarg, wusste so recht niemand zu sagen. Bollywood? Sind das nicht Filme, in denen viel getanzt wird? Ach ja, und die ziemlich lang sind?

Aber sonst?

Indien stellte für das Gros des deutschen Publikums einen weißen Fleck auf der Filmlandkarte dar. Versuche, zum Beispiel von arte, indischen Filme dem Publikum zu präsentieren, hatten bis dato kaum mehr als ein Grundrauschen auf den TV-Kanälen erzeugt. Indischen Kunstkino fand ja hier und da einen Platz in den Programmkinos. Doch das kommerzielle Kino aus Mumbai, dem ehemaligen Bombay?

RTL 2 wagte das Experiment. Zur besten Sendezeit, 20.15 Uhr, am Freitag, den 19. November 2004, war es soweit. RTL 2 strahlte „In guten wie in schweren Tagen aus“. Die Stars? Ein gewisser Shah Rukh Khan, eine junge Frau namens Kajol, ein Hrithik Roshan, Kareena Kapoor sowie Amitabh Bachchan und Jaya Bachchan. Namen, die in Indien jedes Kind kennt, in Deutschland aber nur für Achselzucken sorgten.

RTL 2 zeigte „In guten wie in schweren Tagen“ in einer leicht gekürzten Fassung, die aber immer noch stolze 180 Minuten lang war. Inklusive der Werbeblöcke zwang RTL 2 das Publikum somit rund vier Stunden vor dem Bildschirm zu verbringen. 

Kurz nach Mitternacht war es vollbracht: Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Fernsehen hatte ein deutscher Fernsehsender zur so genannten besten Sendezeit einen indischen Spielfilm aufgestrahlt – und das mit einem für RTL 2 sensationellen Erfolg mit 1,93 Millionen Zuschauer. Für einen vergleichsweise kleinen TV-Sender wie RTL 2 ein hervorragendes Ergebnis. Vor allem aber erreichte der Film 12,2 Prozent Marktanteil bei der für die Werbewirtschaft ach so relevanten Zielgruppe der 14- bis 49jährigen TV-Zuschauer.

Nicht nur in den Redaktionsetagen von RTL 2 rieb man sich in den Tagen nach der erfolgreichen TV-Ausstrahlung verwundert die Augen über die losgetretene Welle. In den Verkaufschart von Amazon.de stieg die (ungekürzte) DVD-Fassung des Spielfilms in die Verkaufscharts ein. Bis auf Platz 3 schob sich der Film vor, in manch einem Elektronikfachmarkt belegte er in den nächsten Tagen sogar den ersten Platz der internen Verkaufscharts. Und so manch ein DVD-Freund, an dem die RTL 2-Ausstrahlung schlicht und ergreifend vorbeigegangen war, erblickte nun im Regal der bestverkauften Titel seines Fachmarktes das Cover und fragte sich: „Was ist denn das?“ Von der Neugier getrieben landete der Film in so manch einem Einkaufskorb auch von solchen Zuschauer, die normalerweise wenig mit großen Gefühlen auf der Leinwand anfangen können.

Und so eroberte Bollywood auch das deutsche Publikum.

DIE GESCHICHTE DES INDISCHEN KINOS

Mit dieser Überschrift wird im Space-View-Special ein Kapitel eingeleitet. Welch eine Überschrift. Wie soll man eine Geschichte erzählen, die einen Zeitraum von über 100 Jahren umfasst? Niemand käme auf die Idee von sich zu behaupten, in ein paar Sätzen die Geschichte Hollywoods erzählen zu können. Das indische Kino ist schließlich nicht nur Bollywood, das Lichtspiel  Mumbais ist nur eines von zahlreichen regionalen Kinos. Ja und mehr noch: „Das“ indische Kino gibt es ebenso wenig wie es „das“ deutsche Kino, „das“ amerikanische oder „das“ britische Kino gibt. Eine blühende Kinolandschaft wie die Indiens lebt von einem breiten Spektrum verschiedenster Genres, von Kreativität und Kommerz, von seinen Stars und seinen Zuschauer – und vor allem von einer langen Geschichte, die überhaupt erst den fruchtbaren Boden für diese großartige Kinolandschaft bereitet hat. Trotzdem habe ich mich an diesem Akt einer Skizzierung versucht.

BOLLYWOOD IN DEUTSCHLAND HEUTE - Dezember 2011

Der Boom war kurz und heftig. Heute ist Bollywood aus deutschen DVD-Regalen fast verschwunden. Warum? Es gibt viele Gründe. Neben den hervorragenden DVD-Veröffentlichungen aus dem Hause Rapid Eye Movies, die den Boom maßgeblich initiierten und die wirklich keine Wünsche offen ließen, versuchten sich vor allem B- und C-Verleiher am Bollywoodboom. Sie kauften ein, was sich halbwegs vermarktbar anhörte – und ballerten ihre Filme auf den Markt. Diese Veröffentlichungen waren oft nicht nur von der technischen Seite her bedenkenswert (schlechtes Bild, lieblose Synchros), es haben in der Boomphase einfach auch jede Menge schlechte Filme ihren Weg auf den deutschen DVD-Markt gefunden. Jeder großen Shah-Rukh-Khan-Produktion stehen eben ein halbes Dutzend schnell heruntergekurbelter Melodramen, Schmonzetten oder Ballerfilme gegenüber, die einzig dem schnellen Geld verpflichtet sind. Einzig Rapid Eyes Movies veröffentlicht nach wie vor Filme aus Indien, aber es sind sehr ausgewählte Produktionen. Ein neuer Shah-Rukh-Khan etwa, oder ein Titel, der im Arthaus-Segment seine Zuschauer findet. Doch selbst Filme von Stars wie Aamir Khan bleiben hierzulande unveröffentlicht.

FILMKRITIKEN

Eine Online-Kritik zum Bollywood-Superheldenepos „Krrish“ gibt es hier. Weitere Kritiken folgen auf dieser Seite.

[Christian Lukas - Bücherwelten] [Impressum]