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Impressum

Antenne Witten

Die Scream-Trilogie und die Geschichte
des Teen-Horrorfilms (2000) /
Interview mit Wes Craven (1998)


Cover: Heyne Verlag, Foto: Lukas


Autoren: Sascha Westphal & Christian Lukas
ISBN 3-453-18124-7
494 Seiten
Heyne Verlag , München 2000
DM 16,90
EUR 8,60
 
 
"Scream - Schrei", so betitelte der deutsche Verleih Kinowelt den Spielfilm "Scream". "Scream" erfüllte im Jahre 1996 ein schon lange totgeglaubtes Genre mit neuem Leben erfüllt: Den Teen-Horrorfilm. Als wir vom Heyne Verlag den Auftrag erhielten, uns mit genau diesem Genre auseinanderzusetzen, trafen wir den Entschluss, diese Auseinandersetzung so ernsthaft wie möglich zu betreiben. Leider beschränken viele Autoren die Inhalte von Teen-Horror- und Slasher-Filmen auf Blut, kreischende Jugendliche und Kettensägen schwingende Eisnockeymaskenträger. Gerade für Außenstehende jenseits der Fanzirkel ergibt sich daher oft der Eindruck, das gesamte Genre bestehe ausschließlich aus Sex und Gewalt. Muss man sich da wundern, dass das Genre keinen guten Ruf besitzt?
Im Mittelpunkt unseres Interesses rückten die Geschichten und die Funktionsweisen einzelner Filme. Wir haben das Genre anhand von bestimmten Eckdaten aus aufgerollt, Entwicklungen aufgezeigt, Handlungsmuster analysiert, gesellschaftspolitische Aussagen beachtet - sofern vorhanden.
 
Das so entstandene Buch sollte schließlich aus zwei Teilen bestehen. 
1. Teil: Die "Scream"-Trilogie und ihre Folgen. Inklusive Schauspielerporträts, Analysen, Inhaltsangaben und mehr.
2. Teil: Der Teenhorrorfilm von seinen Anfängen in den 50-er Jahren bis heute. Funktionsweisen, eine Filmografie, Interpretationen - und mehr.
 
Ein offizielles Buch zur Trilogie ist unser Werk nicht. Es ist keine einseitige Lobhudelei, es ist kein Werbeheft, das wir uns auch noch bezahlen ließen. Das Buch gibt die Meinung der Autoren wieder. Mal enthusiastisch, mal kritisch, mal kontrovers und bestimmt diskussionswürdig. Aber stets unabhängig. Dennoch hat uns der deutsche Verleiher der SCREAM-Filme, die Kinowelt, während der Schreibarbeit stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Dafür sei dem Verleih an dieser Stelle auch viele Jahre nach Erscheinen des Buches gedankt.
 
ZWEI KORREKTUREN
 
Na gut, wenn schon Webspace mit Text gefüllt werden muss, bitte, ich gebe es zu, mir sind während des Schreibens zwei Patzer unterlaufen. So hat mich ein aufmerksamer Leser auf den folgenden Fauxpas hingewiesen: In der Kurz-Biografie der Schauspielerin Rebecca Gayheart ("Scream 2") steht zu lesen, sie habe in dem Film "Düstere Legenden" mitgewirkt. Das ist richtig. Als Originaltitel wird daraufhin "Disturbing Behaviour" genannt. Das ist allerdings falsch. Der korrekte Originaltitel lautet "Urban Legends". "Disturbing Behaviour" trägt hierzulande den Titel "Dich kriegen wir auch noch" und ist mit Katie Holmes und James Marsden recht prominent besetzt.
 
Ups, und dann hat sich noch dieser Fehler ins Buch eingeschlichen: Der großartige, leider viel zu oft unterschätzte Liev Schreiber spielt in allen drei Teilen der "Scream"-Reihe Cotton Weary. Dies ist sein Rollenname (und so steht er in allen Credits, die für die Namensschreibung maßgeblich sind). In einem Moment geistiger Umnachtung habe ich an einer Stelle jedoch Leary geschrieben. Und dieser Fehler taucht dann noch zwei oder dreimal in den Inhaltsangaben auf. Die wundersame Vermehrung dieses Fehlers ist auf den wunderbaren Button "Immer ändern" im Rechtschreibprogramm zurückzuführen, den ich angeklickt haben muss, als der Begriff "Weary" während der Korrektur als unbekannt markiert wurde, während das gleiche Programm als Alternative den ihm nicht unbekannten Namen "Leary" anbot...
Zum Glück korrigiere ich Texte stets nur Häppchenweise und nie in voller Länger, daher zieht sich dieser Fehler nicht durch das ganze Buch....

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Pressespiegel (Auswahl)

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WES CRAVEN IN HAMBURG (1998)
 
Wes Craven wirkte entspannt, damals an der Waterkant. Ich reiste nach Hamburg, um mit ihm über "Scream 2" zu sprechen. Dessen Deutschlandstart stand kurz bevor und Craven galt unter deutschen Filmreportern plötzlich als heiß. Horrorfilmregisseure, Genrespezialisten wie Craven, treten selten ins Rampenlich der großen Scheinwerfern. Sie bewegen sich für gewöhnlich in klar abgegrenzten Territorien, einer Subkultur, welcher der Mainstream nur selten Beachtung schenkt. Natürlich gibt es Regisseure, die sich inszenieren - gerade auch um außerhalb ihrer Zirkel Aufmerksamkeit zu generieren. Rob Zombie gibt zum Beispiel den harten Kerl, Eli Roth den Intellektuellen. Craven hingegen arbeitete sich von Film zu Film. Er erschuf Klassiker wie "Nightmare on Elm Street", auf der anderen Seite weist seine Filmografie Fehlschläge wie "Vampire in Brooklyn" auf. Mit "Scream" aber veränderte sich sein Status über Nacht. Die etablierte Kritik lobte Cravens Spiel mit den Genrekonventionen, den ironischen Ton, die geschliffenen Dialoge, die rasante Inszenierung. Das Publikum staunte über das vollkommen überraschende, einmalige Finale. Und die Produzenten liebten Craven, weil er ihnen eine ordentliche Dividende erwirtschaftete. Mit einem Einspielergebnis von weit über 100 Millionen Dollar übertraf der erste Teil alle Erwartungen. Als wir uns zum Gespräch trafen, hatte auch der zweite Teil längst die 100-Millionen-Dollar-Marke in den USA überschritten. Damals eine Sensation.
 
Frage: Konnten Sie mit einem solchen Erfolg rechnen?
 
Craven: Ganz klar nein! Kurz bevor "Scream" in den amerikanischen Kinos anlief, führten meine Produzentin und ich ein Gespräch, in dem wir überein kamen, dass ein Einspielergebnis von etwa 40 Millionen Dollar machbar und als Erfolg zu werten sei. Dass wir die 100-Millionen-Dollargrenze überschreiten würden, haben wir selbst in den euphorischen Momenten nicht geglaubt. Nach dem Erfolg des ersten Teils haben wir uns dann natürlich eine gute Chance für weitere Teile ausgerechnet.
 
Frage: Im Mittelpunkt von der "Scream"-Trilogie stehen starke Frauen. Frauen sind in ihren  Filmen das starke Geschlecht...
 
Craven: ... es gibt aber auch einige starke Männer. Ich habe Männer und Frauen seit jeher als gleichberechtigt betrachtet und mich nie um die Konventionen des Filmes, starke Männer, schwache Frauen, gekümmert. Habe ich zumindest immer gedacht. Bis ich 1982 "Das Ding aus dem Sumpf" drehte. Meine Tochter war damals gerade einmal zehn Jahre alt. Sie besuchte mich am Set, als wir eine Szene drehten, in der unsere Hauptdarstellerin Adrienne Barbeau rannte, stolperte und stürzte, so, wie es das Drehbuch vorsah. Daraufhin sagte meine Tochter: Dad, immer wenn ich einen Film sehe, in der eine Frau gejagt wird, fällt sie garantiert auf die Nase. Das ist doch doof. Da stand also meine zehnjärige Tochter und sagte mir, einem erfahrenen Regisseur, das ich Unsinn drehte - und sie hatte Recht! Seither achte ich vielleicht ein bisschen genauer darauf Klischees zu vermeiden.
 
Frage: Sie werden mit dem Ausspruch zitiert, sie fänden die meisten großen Klassiker des Horrorfilms fade und langweilig.
 
Craven: Das Zitat ist leider unvollständig veröffentlicht worden. Was ich nicht mag, sind billige Schockeffekte. In vielen Klassikern wird die Spannung dadurch erzeugt, dass Menschen vollkommen dumme Dinge tun: Wenn ich mich bedroht fühle und glaube, hinter einer Tür steht ein wahnsinniger Mörder, dann werde ich diese Tür nicht öffnen um zu sehen, ob er nun dahinter steht oder nicht. Ich werde wohl eher wegrennen. Leider findet man Szenen wie diese findet in vielen Filmen - und leider auch in Klassikern. Ich mag es eben, wenn überraschende Dinge geschehen, wenn man mal lachen kann oder wenn ein Film mehr als nur eine Horrorgeschichte zu erzählen hat.
 
Frage: Sie scheinen es zu lieben, die Figuren ihrer Filme den schrecklichsten Situationen auszusetzen. Was war die schrecklichste Situation, die sie in ihrem Leben erleben mussten?
 
Craven: Während meiner Studentenzeit erkrankte ich an einem Fieber, dass sich nicht mehr mit Medikamenten senken ließ und ich kämpfte einen Kampf auf Leben und Tod. Viel schrecklicher als den Tod vor Augen zu sehen, das war der Anblick der Tränen meiner Familie.

Frage: Warum strahlen Horrorfilme ausgerechnet auf das jugendliches Publikum eine solche Faszination aus?
 
Craven: Die Jugend ist eine Zeit der persönlichen Herausforderungen, in denen man sich Fragen stellt wie: Wie gehe ich mit meiner Sexualität um, wie kann ich meine Stärken einsetzen, was sind meine Schwächen, was wird aus meinem Leben, kann ich der Gesellschaft trauen? Es ist eine bizarre Zeit, voller Hoffnungen - aber auch voller Ängste, die irgendwo kompensiert werden müssen. Horrorfilme reflektieren diese Eigenartigkeit in einem ungewöhnlichen und direkten Weg, denn in einem Horrorfilm geht es vor allem darum, Ängste zu erzeugen. In der Gesellschaft, in der ich meine Jugend verbracht habe - aber dies ist in der heutigen Zeit nicht anders - durften Jugendliche nach Außen keine Ängste zeigen. Im Kino oder vor dem Videorekorder aber darf man sich genau diesen Ängsten stellen und sich erschrecken lassen.
 
Frage: Horrorfilme als Katalysator?

Craven: So kann man das sehen.
 
Frage: Das sehen viele Pädagogen, Soziologen, Elternverbände aber ganz anders.

Craven: Ich mag keine stilisierte, saubere Gewalt, wie man sie im Fernsehen vorgesetzt bekommt und die dem Zuschauer vorgaukelt, mit Gewalt ließen sich Konflikte lösen. Das ist absurd. In einem guten Action- oder Horrorfilm hat der Held der Geschichte am Ende immer etwas von sich verloren. Er oder sie ist kein glorreicher Held. Am Ende hat sich im Leben des Protagonisten oder der Protagonistin etwas grundlegend verändert, was nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Meist haben die Figuren ihre Unschuld verloren. Und dies ist etwas wirklich Tragisches. Was ich an der Diskussion zum Thema Gewalt im Film nicht mag, das sind Konzepte, mit denen Filmen partout die Schuld an der Verrohung innerhalb der Gesellschaft gegeben wird. Es sind so viele Faktoren, die eine Rolle spielen, da sind Film und Fernsehen nur zwei von vielen Mosaiksteinen. Nehmen wir folgendes Beispiel: 20 Millionen Jugendliche haben "Scream" gesehen. Der Wahrscheinlichkeit nach müsste ein Prozent von ihnen durch den Film so negativ beeinflusst werden, dass sie nach der Filmvorführung Heim gehen und den Film in ihren Familien im blutigen Ernst nachspielen. Das ist aber nicht passiert.
 
Frage: Die Produktion von "Scream 2" wäre fast geplatzt, da Teile des ursprünglichen Drehbuchs noch vor Drehbeginn im Internet auftauchten...

Craven: Dies ist eines der großen Mysterien Hollywoods. Es gibt ganz einfach keine Geheimnisse mehr. Ich schreibe zur Zeit an einem Science-Fiction-Roman. Und natürlich habe ich als Filmregisseur einen sehr visuellen Schreibstil, denn es liegt natürlich nahe, daß ich meinen Roman auch verfilmen möchte. Obwohl dem Verlag bislang nur ein unvollständiges Manuskript vorliegt, habe ich schon Anrufe von Produzenten bekommen, die über den Inhalt exakt Bescheid wussten und mit mir detailliert über bestimmte Szenen und deren filmische Umsetzung sprechen wollten. Glauben Sie mir, ich habe keine Ahnung, wie diese Leute an mein Manuskript gekommen sind. Aber sie haben es. Und so ist es auch im Falle von "Scream 2" gelaufen, als die vierzig ersten Seiten plötzlich im Internet auftauchten, lange bevor der Film in Produktion ging.
 
Frage: "Scream 2" keilt kräftig Medienschelte aus. 

Craven: Wir erleben im zweiten Teil Momente der ersten Geschichte aus der Sicht einer Sensationsreporterin, die all den Wahnsinn ja selbst erlebt hat. Trotzdem hat sie, als sie ein Buch über die Erlebnisse geschrieben hat, viele Dinge verändert und viele Personen anders beschrieben, als sie in Wirklichkeit gewesen sind. Zur Rede gestellt antwortet sie, sie habe dies nur getan, damit die Geschichte dramatischer wirke, ganz so, als seien all die Morde nicht schon dramatisch genug gewesen. So kreieren die Massenmedien eine vollkommen neue Realität, die mit der Wahrheit, mit wahren Geschehnissen, kaum mehr etwas zu tun hat.
 
Frage: Was hat Sie bewogen, vor "Scream 3" das Drama "Fifty Violins" zu inszenieren?

Craven: Nach über 30 Horrorfilmen wollte ich auf meine alten Tage einmal ein Projekt verwirklichen, das mir am Herzen liegt.



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