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Antenne Witten

                                                      Interviews mit Joss Whedon (2005) und Katee Sackhoff (2007)

Joss Whedon:

Man stelle sich vor, ein TV-Produzent kreiert eine erfolgreiche TV-Serie, die dann nach zwölf Folgen aus dem Programm geschmissen wird. Unvorstellbar? Joss Whedon ist genau dies passiert. Der Erfinder der weltweit ungemein erfolgreichen TV-Serie „Buffy“ musste 2002 miterleben, wie seine SciFi-Show „Firefly“, trotz guter Kritiken, annehmbarer Quoten und einer Ruckzuck gewachsenen Fan-Gemeinde - vom Sender eingestellt wurde. Immerhin konnte Whedon 2005 einen Spielfim, "Serenity", in die Kinos bringen, der die Geschichte von „Firefly“ fortsetzte. Am 24. November des Jahres lief er in Deutschland an, kurz zuvor bekam ich die Möglichkeit, mit Joss Whedon über seine Arbeit zu sprechen.

Frage: In den USA, Großbritannien und Australien gehört „Firefly“ zu den erfolgreichsten TV-Serien, die jemals auf DVD veröffentlicht wurden. Auch im TV war die Serie erfolgreich. Warum wurde sie abgesetzt?

Whedon: Dank des „Buffy“-Erfolges erhielt ich einen Vertrag, der mir die künstlerische Freiheit ließ, eine TV-Serie nach meinem Gusto zu kreieren. Nur hasste der Sender von Anfang an das Konzept, die Figuren, einfach alles. Aber die Quoten waren in Ordnung. Also wurde sie ohne Begründung abgesetzt.

Frage: Klingt seltsam, denn eigentlich geht es den Sendern doch ums Geldverdienen!

Whedon: Klar, und die Werbekunden mochten „Firefly“. Aber es gibt im amerikanischen TV-Geschäft nichts Schlimmeres als verletzte Eitelkeiten. Ich habe eine Serie kreiert, die nach den Vorgaben der Sender normalerweise nie hätte entstehen geschweige denn ein Erfolg hätte werden dürfen. Aber sie wurde ein Erfolg, das hat wohl einige Leute gewaltig geärgert.

Frage: Warum haben Sie die Serie nicht auf einem anderen Sender fortgesetzt.

Whedon: Weil ich immer Kinofilme machen wollte und nun die Chance gekommen sah, eine ungewöhnliche SciFi-Story ins Kino zu bringen, denn Universal klopfte an und bekundete Interesse an einem Kinofilm.

Frage: Der teilweise ziemlich subversiv ausfällt. Sie kreieren eine Welt, die an den Wilden Westen angelehnt ist und stellen amerikanische Grundwerte von grenzenloser Freiheit und der Selbstbestimmung des Individuums in einen Konflikt zu den Interessen von Großkonzernen, die genau diese Vorstellungen pervertieren und den Freiheitsdrang der Menschen für eigene Interessen ausnutzen. Die Einzigen, die dagegen angehen, sind ihrerseits keine Revolutionäre, sondern eigentlich selbst Kriminelle. Kein sehr schönes Weltbild.

Whedon: Seit Reagan versuchen amerikanische Regierungen den Amerikanern eine Welt zu vermitteln, in der Gut und Böse streng getrennt sind. Wir sind die Guten, wer nicht auf unserer Seite steht, ist böse. Das Denken wird in meiner Heimat in Schubladen gepresst und die Menschen, die dies hinterfragen, die andere Meinungen vertreten, werden zum Beispiel als unpatriotisch bezeichnet. Gerade die Mitte der Gesellschaft wird zu Konformität gedrängt, denn sie ist das Rückgrad Amerikas. Sie ist es, die auf Staats-Linie gehalten werden muss, denn sie ist eben auch für das Funktionieren der Wirtschaft das A und O. Daher, glaube ich, werden Veränderungen nicht unbedingt aus dieser Mitte her kommen, sondern von den Rändern. Wie in meinem Film.

Frage: Joss Whedon – ein Revoluzzer?

Whedon (lacht): Nein, bestimmt nicht. Ich gehöre nur zu denen, die sich Sorgen über bestimmte Entwicklungen in meinem Land machen. Wie viele, viele andere Menschen übrigens auch, abgesehen davon, dass dies auch schon zu spüren ist. Die Tendenz geht wieder dorthin, Dinge zu hinterfragen. Daher kann ich nur bitten: gebt uns Zeit!

Frage: Grautöne spielen in Serien wie „Buffy“ und „Angel“ eine große Rolle, in „Serenity“ sowieso. Was interessiert sie an dem Spiel von Gut und Böse?

Whedon: Das Böse schlummert in uns allen. Es wäre vermessen zu behaupten, ein Mensch sei nur gut oder nur böse. Ich habe stets darauf Wert gelegt, dass die Ziele der Figuren in meinen Serien und Filmen, nachvollziehbar bleiben. Auch die Ziele der Bösen. Der Held in der schimmernden Rüstung hat mich nie interessiert. Ich interessiere mich eher für den Helden, der sich, um Gutes zu erreichen, auch mal die Hände schmutzig macht.

Frage: Sie sind eine Ikone des Fantasy-Genres.

Whedon: Das will ich hoffen, immerhin übe ich seit meinem fünften Lebensjahr regelmäßig meine Oscar-Dankesrede. Ich habe zu Beginn meiner Karriere nicht damit gerechnet, mich wirklich in diesem Metier austoben zu dürfen. Es war zwar mein Ziel, aber ich kannte den Job, da meine Familie familiär mit dem Fernsehgeschäft verwachsen ist und ich weiß, dass Karrieren meist ganz anders verlaufen als man dies plant und man nur selten das machen darf, was man auch machen will. Aber mit einer Serie wie „Buffy“ im Rücken ist vieles einfacher geworden.

Frage: Inwiefern?

Whedon: Ich habe beim Dreh von „Serenity“ so gut wie keine Vorgaben vom Studio bekommen, weil ich mir als TV-Produzent eine kleine Hausmacht erarbeitet habe. Interessanterweise haben Fernsehmacher als Kreative inzwischen mehr Freiheiten als Kinomacher. Das war noch vor zwei, drei Jahren ganz anders. „Firefly“ ist ein Beleg dafür.

Frage: Wie kommt das?

Whedon: Fernsehen ist zurzeit einfacher Kreativer. Die Autoren sind einfach besser. Hinzu kommt, dass viele Kinoproduzenten momentan fürchterlich Angst vor Flops haben. Kaum ein Film erfüllt seine Erwartungen an den Kinokassen, die Studios brauchen das Fernsehen, um Geld zu verdienen.

Frage: Und trotzdem sind Sie als erfolgreicher TV-Macher ins Kino gewechselt?

Whedon: Das Kino war ja immer mein Traum und ich habe als Autor auch für eine Reihe von Filmen gearbeitet. Nun konnte ich endlich meine eigene Vision umsetzen. Außerdem ist es cool einen Film zu schreiben. Im Fernsehen habe ich für eine Geschichte zehn, elf Folgen Zeit, um sie sich entwickeln zu lassen. Im Kino habe ich 120 Minuten für die Geschichte, die Charaktere, den Humor, die Action. Ich muss viel genauer auf einen Punkt hin arbeiten. Und wenn mir das gelingt, wird dies vom Publikum honoriert.

Frage: Wird es eine „Serenity“-Fortsetzung im Kino oder im Fernsehen geben?

Whedon: Ich habe einen Vertrag über drei Kinofilme. Ob einer davon „Serenity 2“ heißen wird, weiß ich noch nicht. Aber eine TV-Serie werde ich aus dem Stoff nicht machen.

Katee Sackhoff: 

Katee Sackhoff schmiss ihr Studium, um Schauspielerin zu werden. Sie arbeitete als Kellnerin, um über die Runden zu kommen. Bereuen muss sie ihre Entscheidung nicht, denn seit 2002 steht sie bei den Produzenten von „Battlestar Galactica“ unter Vertrag. Damit ist sie ein TV-Star. Zumindest unter Genrefans. In Deutschland ist vor allem den Käufern der „Battlestar Galactica“-DVDs bekannt, die hierzulande zu den Top-Titeln der Fernsehserien-DVD-Auswertungen gehören. Nun erscheint mit „White Noise 2“ auch ein Spielfilm mit der herben Aktrice auf direkt auf DVD. Im wahrsten Sinne zwischen dem Dreh von zwei Szenen stand mir die 1980 in Oregon geborene Schauspielerin im Mai 2007 für ein Interview zur Verfügung. Nicht gerade zur Begeisterung des Aufnahmeleiters, der immer wieder auf den engen Terminplan verwies. 

FRAGE: Man kann Sie demnächst in dem Horrorfilm „White Noise 2“ sehen, der aber wohl inhaltlich wenig mit dem ersten Teil zu tun haben wird!

SACKHOFF: Na ja, ich habe mir den ersten Teil angeschaut und mit dem zweiten nun verglichen. Da gibt es nicht allzu viele Übereinstimmungen. Aber der erste Teil hat wohl inzwischen einen ganz guten Namen unter Genrefans und davon wollen die Produzenten wohl profitieren. Das ist das Geschäft. Und ich finde unseren Film richtig gut!

FRAGE: Ihr Geschäft ist seit Jahren „Battlestar Galactica“. Es geht das Gerücht um, dass die aktuell produzierte vierte Staffel die letzte sein wird.

SACKHOFF: Traurigerweise muss ich das bestätigen. Aber ich stehe hinter der Entscheidung der Produzenten. Man darf zwei Faktoren nicht vergessen: „Battlestar Galactica“ ist eine Serie mit einer großen Fangemeinde, aber mit nur mittelprächtigen Einschaltquoten in den USA. Und Quoten sind nun einmal der Faktor, auf den Fernsehsender schauen. Auf der anderen Seite ist die Serie relativ teuer. Also haben sich die Produzenten dazu entschieden, die Serie in dem Moment zu beenden, in dem alle Storylines auf den großen Höhepunkt zulaufen, um sie auf diesem Höhepunkt zu beenden. Das ist durchaus mutig, denn eine kostenreduzierte fünfte Staffel würde sich für die Produzenten durchaus im späteren Verkauf auf dem freien Fernsehmarkt rentieren. Aber sie wollen die Serie nicht über eine fünfte Spielzeit hinaus quälen, statt dessen soll sie bei den Fans positiv in Erinnerung bleiben. Mehr kann ich dazu aber leider nicht sagen. Wie läuft „Battlestar Galactica“ eigentlich in Deutschland?

FRAGE: Im Fernsehen haben wir bislang nicht einmal die zweite Staffel zu sehen bekommen, sie wird immer wieder verschoben. Der ausstrahlende Sender steht leider mehr auf Formate wie „Big Brother“.

SACKHOFF: Mein Gott, das tut mir echt Leid. Aber es gibt die Serie doch bestimmt auf DVD, oder?

FRAGE: Ja, aber leider auch erst zwei Staffeln. Sie interessieren sich für Deutschland – Sackhoff ist ja ein deutscher Name...

SACKHOFF: Ich fange gerade erst an mich für das Land meiner Vorfahren zu interessieren. Ich bin ja Amerikanerin und als Amerikanerin war ich bislang nicht sonderlich an Geschichte interessiert (lacht). Aber ich merke doch langsam, dass ich mehr über meine Wurzeln erfahren möchte. Nicht nur mein Vater, auch meine Mutter ist deutscher Herkunft und daher wüsste ich schon gerne mehr darüber, woher meine Vorfahren kamen, warum sie auswanderten...

FRAGE: Sie selbst leben in Kanada?

SACKHOFF: Nein, in Los Angeles. Aber seit 2003 verbringe ich die meiste Zeit des Jahres in Kanada, weil hier „Battlestar Galactica“ gedreht wird.

FRAGE: Da bleibt für ein Privatleben wenig Zeit.

SACKHOFF: Wäre es nicht eine Schande, wenn es wirklich so wäre? Bislang habe ich meinen Job und mein Privatleben eigentlich ganz gut miteinander verschmelzen können, nur meinen Freund vermisse ich oft sehr. Eine Beziehung zu führen ist an sich schon hart, aber wenn auch noch 2000 Meilen dazwischen liegen, ist es noch härter.

FRAGE: Nun spielen Sie in Kanada eine Rolle, die in der Ur-Serie von einem Mann dargestellt wurde. Als die ersten Gerüchte im Internet aufkamen, dass Starbuck von einer Frau gespielt würde, kam es zu einem wahren Proteststurm, der sich inzwischen gelegt hat...

SACKHOFF: Weil viele Leute glauben, ich sei in Wahrheit ein Mann (lacht). Ich bin aber wirklich eine Frau, ehrlich. Inzwischen hat sich aber wohl auch herumgesprochen, dass das Konzept der neuen Serie etwas anders aussieht als das der Originalserie. Und ich glaube, die Ur-Fans haben gelernt mit diesem Unterschied zu leben und sie können akzeptieren, dass sich die Zeiten etwas geändert haben.

FRAGE: Obschon Sie nicht die erste Wahl für die Rolle gewesen sein sollen?!

SACKHOFF: Ich habe das erste Drehbuch im Dezember 2002 erhalten. Da war ich 22 Jahre alt. Ich bin dann zum Vorsprechen gegangen, aber wurde direkt abgelehnt, weil ich zu jung erschien und die Produzenten glaubten, dass ich nicht taff genug sei. Na ja, ich habe dann aber trotz allem für die Rolle vorgesprochen, wurde zu fünf Castings eingeladen und immer wieder abgelehnt, bis ich beim sechsten Vorsprechen die Rolle bekam.

FRAGE: Woher kam der Sinneswandel?

SACKHOFF: Ich habe alles der Frau unseres Produzenten David Eick zu verdanken, die hat mich gesehen und zu ihrem Mann gesagt – „gib der Kleinen eine Chance, sie ist heiß auf die Rolle“.

FRAGE: Die nächste Serie steht schon in den Startlöchern: „Bionic Woman“, das Remake von „Die 6-Millionen-Dollar-Frau“. In der ersten Staffel sind Sie bereits einmal aufgetreten; da hinter der Serie einige Produzenten aus dem „Galactica“-Umfeld stehen, ist dies sicher kein Zufall?!

SACKHOFF: Nun, zunächst einmal muss man abwarten, wie sich die Serie entwickeln wird. Ich habe parallel an „Galactica“ und der „Bionic Woman“-Episode gearbeitet, was sich terminlich kaum vereinbaren ließ. Aber es ist auf jeden Fall vorgesehen, dass, wenn die Serie eine volle Staffel erhält, ich möglicherweise eine wiederkehrende Rolle spielen werde. Zumindest ist es angedacht. Außerdem würde es ja gut zu mir passen, es wäre das zweite 70er-Jahre-Serienremake. Und bis ich 60 bin, spiele ich mich dann von Remake zu Remake durch. Heute als die taffe Actionheldin, morgen als taffe Action-Oma. Das klingt nach einem richtig guten Image...

Aus dem Hintergrund erschallt die Stimme des Aufnahmeleiters. Katee Sackhoff versucht die Stimme zu ignorieren und unser Gespräch fortzusetzen. Doch unerbittlich wird sie wieder ans Set beordert. Ihre Viper wurde frisch hergerichtet, das Kamerateam wartet auf sie.

 

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