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Antenne Witten

SEIT 1996  AUF SENDUNG

Antenne Witten ist ein 1996 ins Leben gerufenes, nicht-kommerzielles Radioprojekt, das im Rahmen des Bürgerfunkes auf Radio Ennepe-Ruhr Sendungen produziert und auf Laut.fm einen 24-Stunden-Webkanal unterhält. Vorwiegend werden in den Bürgerfunksendungen Themen aus der lokalen Kultur behandelt, aber auch lokalpolitische Themen finden ihren Platz, ausgewählte Beiträge werden im Antenne-Podcast veröffentlicht. Nach einem unregelmäßigen Ausstrahlungsmodus fand im Jahr 2000 eine Neugestaltung des Konzeptes statt, in den besten Zeiten um 2004/2005 entstanden 40 bis 50 Sendungen pro Jahr, die sich inhaltlich mit den bereits genannten Themenkomplexen auseinandersetzten.
 
Der Bürgerfunk wurde ursprünglich gegründet, um den Bürgern des Landes Nordrhein-Westfalen Medienpartizipation zu ermöglichen. Mit dem Start der lokalen Privatradios Anfang der neunziger Jahre in NRW, wurden die privaten Radiosender dazu verpflichtet, einen Teil ihrer täglichen Sendezeit unabhängigen Produktionsgruppen zur Verfügung zu stellen. Dass die privaten Sender dies nicht unbedingt mit Freuden taten, nun, es ist ja verständlich: Stellen Sie sich vor, Sie kaufen sich ein Auto und werden nun vom Staat gezwungen, auf jeder Fahrt mindestens einen Sitz unentgeltlich einem Beifahrer freizuhalten, den Sie sich nicht einmal selbst aussuchen dürfen. Jedoch hat das Land NRW keine andere Möglichkeit der Bürgerpartizipation an den Rundfunkmedien geschaffen, da aufgrund eines besonderen Mediengesetzes regionalen Verlegern eine Art Monopolstellung im lokalen Radiobereich bis heute zugesichert wird. Wie und warum, das zu erklären würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, der Versuch in einem Satz: Um ein Meinungsmonopol zu verhindern, wurde als unabhängiges Gegengewicht besagter Bürgerfunk kreiert.
 
Bekanntlich macht der Ton die Musik. Wie alle Wittener Bürgerfunkgruppen legt auch Antenne Witten  einen großen Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Lokalsender. Wir haben unsere Musikfarbe und die Form der Beitrags-Präsentation dem Umfeld, in dem wir senden, angepasst. Dabei haben wir uns inhaltlich nicht verleugnet oder verbeugt. Antenne Witten ist redaktionell unabhängig, ohne Wenn und Aber. Redaktionelle Unabhängigkeit aber schließt eine dem Sendeumfeld angepasste Präsentationsform nicht aus.

MEDIENFÜHRERSCHEIN vs. MEDIENPARTIZIPATION
 
Das ursprüngliche Landesmediengesetz wurde von einer roten Regierung beschlossen, dann aber, im Jahr 2005, kam es zum Regierungswechsel, NRW wurde fortan von einem CDU/FDP-Bündnis regiert. Und diese Landesregierung zog mit der Änderung des Landesmediengesetzes dem Bürgerfunk den Stecker. Nicht nur die Förderung, die im Fall der Wittener Bürgerfunker ausschließlich in den Unterhalt ihres Studios gesteckt wurde, erlebte ihre Streichung; seit Juli 2008 darf nur noch Bürgerfunk produzieren, wer über einen so genannten Medienführerschein verfügt. Das gilt auch für Journalisten, Publizisten und andere Berufsgruppen, die qua ihrer beruflichen Tätigkeit über die entsprechenden Qualifikationen verfügen. Daran hat sich auch nichts geändert, seit in Düsseldorf wieder rot-grüne Politiker das Tagesgeschäft führen.

Oh, ganz gestrichen wurde die Förderung nicht. Gelder gibt es jedoch nur noch für die Durchführung von Jugendprojekten. Immerhin, könnte man meinen. Und inzwischen hat es auch einige Gesetzesänerungen gegeben, die zumindest eine rudimentäre Förderung wieder zulassen.
Doch mit den Geldern ein Studio am Leben zu erhalten, ist unglaublich schwierig. Ein Blick auf die Bürgerfunkszene in Nordrhein-Westfalen offenbart seit Ende 2007 Auflösungserscheinungen. Selbst starke Radiovereine - wie es sie zum Beispiel in Recklinghausen gab - haben sich aufgelöst. Der Aufwand, der beispielsweise betrieben werden muss, um einen Förderantrag zu stellen, geht über das hinaus, was ein ehrenamtlich geführtes Projekt oft zu leisten in der Lage ist (neben der reinen Projektarbeit gehören dazu die Formulierung der Projektanträge, Abschlussberichte, Qualifizierungsmaßnahmen).
 
Wie wir es trotzdem geschafft haben, unser Studio bis 2015 am Leben zu erhalten? Mit Spaß an der Sache. Mit Enthusiasmus. Vielleicht auch mit etwas Trotz. Und einem tollen Hausherren. Wir produzierten im Ruhrstadtstudio Witten im Evangelischen Krankenhaus Witten. 1976 wurde in diesem Krankenhaus ein Krankenhausfunk gegründet, der ab 1992 auch Bürgerfunk produziert hat. Wir haben uns weitergebildet und die notwendigen Zertifikate erworben
Kritiker sagen oft, der Bürgerfunk sei eine Einrichtung von Vorgestern. Junge Menschen würde er etwa kaum noch erreichen, die seien heute schließlich auf Youtube und Co. daheim. Ganz lässt sich dieses Argument nicht von der Hand weisen. Jedoch wird von diesen Kritikern oft die "Nebenbeifunktion" des Radios übersehen. Radio ist ein Nebenbeimedium. Es ist etwas, das oft im Hintergrund läuft. In der Küche, im Auto, von mir auf dem Lokus. Das klassische Radiogerät - mit seinem UKW-Empfang - hat eben noch lange nicht ausgedient. Schlicht und ergreifend. Und weil es diesen Nebenbeicharakter hat - erreicht man genau über dieses Medium Menschen.

Dann geht doch ins Internet und macht Radio - sagen Kritiker. Dort lässt sich 24 Stunden Bürgerfunk machen. Nun, zum einen ist es eine Reichweitenfrage. Wenn ich den Auftrag erfüllen will, den der Gesetzgeber ja dem Bürgerfunk übertragen hat - eine unabhängige Meinung innerhalb des Verlegermonopols zu sein - muss ich meine Berichte dort laufen lassen, wo dieses Monopol existiert. Das Thema ist politisch aktuell. DerWesten hat hier darüber berichtet, allerdings ist der Bericht mit Abstand zu betrachten - schließlich steht hinter DerWesten die Funke-Gruppe (vorm. bekannt als WAZ). Und wem gehören ein nicht unerheblicher Teil der privaten Radiostationen im Revier...?

Nun, auf jeden Fall ist Antenne Witten regelmäßig auf Sendung. Unabhängig und mit Spaß bei der Sache. Nur das Radiostudio im Evangelischen Krankenhaus Witten, das existiert leider nicht mehr. Am 31. Dezember 2015 wurde es bedauerlicherweise vom Haus geschlossen. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die digitale Technik der Gegenwart macht es möglich, auch ohne Studio zu produzieren. Und vielleicht ergibt sich ja in nächster Zeit eine Chance. Wer weiß?

 
 

 
 


Antenne 1996
 
Foto: ukas




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